Die 10 Paradoxien des vollendeten Trumpismus

Die 10 Paradoxien des vollendeten Trumpismus

1. Die Trumpisten wollen sich gegen eine angeblich gestohlene Wahl auflehnen, und zwar mit dem Mittel, dass sie selbst eine Wahl stehlen wollen.

Denn genau das ist der Versuch gewesen, das Kapitol zu stürmen, als das amtliche Wahlergebnis verkündet werden sollte.

2. Die Anhängerinnen und Anhänger Trumps bezeichnen sich als Patrioten, also als Menschen, die ihr Vaterland lieben.

Doch sie hätten ihrem Land keinen größeren Bärendienst erweisen können. Die USA stehen jetzt da wie eine chaotische Bananenrepublik, und das vor den Augen der Weltöffentlichkeit.

3. Die Trumpisten sehen sich, genau wie die Republikaner, als Anhänger von Recht und Ordnung.

Genau dieses aber, Recht und Ordnung, haben sie gebrochen, indem sie das Kapitol gestürmt und die Sicherheitskräfte überwältigt haben.

4. Trump begründet seine Politik mit der Wahrheit, dem wahren Volkswillen und dem wahren Wahlergebnis.

Und das sind alles Lügen.

5. Trumpisten wittern eine Verschwörung gegen sie, gegen das echte Wahlergebnis, und als Reaktion darauf verschwören sie sich tatsächlich, um dann gemeinsam das Kapitol zu stürmen.

6. Viele der insbesondere weißen Anhänger Trumps haben Angst davor, dass die breite demokratische Mehrheit, bestehend aus Frauen, Latino und People of Color, immer mächtiger wird.

Durch ihre polarisierende Politik und jetzt den Sturm aufs Kapitol aber haben sie die Macht der Demokraten nur noch mehr gestärkt und damit ihren eigenen Machtverlust beschleunigt.

7. Der Trumpismus versucht, wie jeder Populismus, den „Willen des Volkes“ zu repräsentieren.

Die Anhängerschaft, die nun allerdings das Kapitol stürmte, war vorwiegend männlich und weiß. Ergo kann er nicht für das Volk, jedenfalls nicht in einem multiethnischen und multikulturellen Land wie den Vereinigten Staaten, sprechen.

8. Trumps Anspruch war, Amerika großartig zu machen. Allerdings ist wohl das Ansehen und Prestige des Landes selten so gering gewesen, wie nach seiner Amtszeit.

Daher kommt nach Trump jetzt paradoxerweise Biden die Aufgabe zu, das umzusetzen, was Trump versprochen hat: Make America great again. Dies ist nach vier Jahren Trumpismus bitter nötig.

9. Die Trumpisten sehen sich selbst als Republikaner, also als Anhänger der Grand Old Party des einen Amerika aber in Wahrheit spalten sie die Republik, und Teile von Ihnen tragen auch die Flagge der Konföderierten, also der Sezessionisten.

10. Die Veranstaltung, die den Ausgangspunkt für das gewaltsame Eindringen in das Kapitol ergab, trug den Titel „Save America March“. Gleichzeitig hat es aber seit Jahrhunderten nichts gegeben, was Amerika und dessen demokratische Institutionen derart gefährdet hat.

Sicherlich werden diese zehn inhärenten Paradoxien des vollendeten Trumpismus die Anhängerschaft Trumps nicht stören. Aber sie sollten immer wieder hervorgebracht werden, damit Menschen gar nicht erst ein solch offenkundig gefährliches Gedankengut annehmen. Denn dessen Gefährlichkeit, aber auch die von logikfreien Verschwörungsmythen, hat sich an diesem historischen 06.01.2021 in Washington gezeigt.