Warum es demnächst so eine Art Impfpflicht geben könnte – in leichter Sprache

Warum es demnächst so eine Art Impfpflicht geben könnte – in leichter Sprache

Einleitung: eine ganz schwierige Frage

Die Frage, ob der Staat es einem vorschreiben darf, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen, ist nicht ohne, und sorgt schon jetzt für Streit. Dieser Streit wird wohl noch zunehmen. Denn einerseits sollte man so etwas schwerwiegendes natürlich selbst entscheiden dürfen. Andererseits hängt an dieser individuellen Entscheidung ja eventuell die Gesundheit oder gar das Leben anderer, was es plausibel macht, das nicht zu einer persönlichen Entscheidung zu machen, sondern dass die Gesellschaft für einen entscheidet. Jedoch ist das Problem, dass es in der ganzen Frage so viele Unsicherheiten gibt (wie gut schützt die Impfung, schützt sie auch gegen Ansteckung, dass es keine einfachen Antworten geben kann).

Der Text wird aufzeigen, dass es mehr Gründe gibt, die für eine Impfpflicht sprechen als dagegen, dass es aber gleichzeitig demnächst so eine Art Impfpflicht geben wird, ohne dass der Staat sie verordnet, und dass dieser Weg der bessere ist.

Argumente für eine Impfpflicht

  1. Der Staat macht so das, wofür er verantwortlich ist, nämlich den Schutz und die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen. Denn schon früher haben Impfungen die Kindersterblichkeit massiv gesenkt, und die Impfpflicht ist das wirksamste Mittel gegen Ansteckungen und schwere Verläufe.
  2. Jeder ist von einer Impfpflicht gleichermaßen betroffen, also kann sich keiner beschwerer, dass er oder sie bevorzugt oder benachteiligt wird.
  3. Mit der Impfpflicht gibt es schneller Lockerungen und persönliche Freiheiten, weniger Firmenpleiten und Einschränkungen, weil wir viel schneller dahin kommen, dass (fast) alle immun sind.
  4. Zwar würde ich erstmal gezwungen werden zur Impfung, aber danach hätte ich persönlich aber auch alle anderen schneller wieder Freiheit. Ich muss also etwas, um dann schnell weniger zu müssen.
  5. Wenn es eine Impflicht gibt, werden Menschen länger leben und nicht erkranken. Denn wenn das freiwillig bleibt, gibt es mehr Ansteckungen, da sich ja nicht jeder impfen lassen will. Und auch sonst versuchen wir alles, um Tod und Leid zu verhindern.
  6. Uns wurde auch jetzt schon etwas vorgeschrieben, wie Maskenpflicht oder das Abstandhalten. Es ist also nicht grundlegend etwas Neues, dass wir in der Pandemie etwas müssen.
  7. Wenn es eine Impfpflicht gibt, muss ich das nicht selbst entscheiden, ob ich mich impfen lasse oder nicht, sondern dann hat der Staat das entschieden. Dann trägt er natürlich auch die Verantwortung, was eigentlich ganz nice ist bei einer so schwierigen Frage.

Argumente gegen eine Impfpflicht

  1. Der Staat hat mir nicht vorzuschreiben, was ich mit meinem Körper zu tun (oder zu lassen) habe.
  2. Der Staat kann mir eigentlich nicht vorschreiben, mich selbst zu schädigen. Denn erstmal kann es ja schon Nebenwirkungen geben, und die sind nicht ohne.
  3. Gerade weil der Impfstoff so schnell entwickelt wurde, wissen wir nicht, was die langfristigen Folgen sind. Genau deshalb darf einem sowas eigentlich nicht vorgeschrieben werden.
  4. Das wäre schon eine harte staatliche Maßnahme, gerade in einer Demokratie, wo der Staat einen nicht einfach mal zu irgendwas verdonnern kann.
  5. Eigentlich könnte man sich ja auch ohne Impfung schützen. Das stimmt, aber dann müssen auch wirklich alle mitmachen und Abstand halten, was leider nicht alle machen. Und manche wollen weder die Regeln einhalten noch sich impfen, und das ist dann ein großes Problem.
  6. Es wurde immer wieder gesagt, dass es keine Impfpflicht gibt. Wenn es jetzt doch eine gibt, dann wurde das Wort gebrochen. Und damit hätte die Politik dann wieder ein Stück Vertrauen unnötig verspielt.
  7. Wenn es eine Impfpflicht gibt, dann kriegen die Verschwörungs-Atzen Aufwind, weil das für sie der Weg in die Corona-Diktatur ist. Das ist natürlich politisch ein Problem (allerdings können andere Maßnahmen so ja vermieden werden).

Zwischenstand: Eher dafür als dagegen

So richtig einfach ist es nicht, denn auf beiden Seiten gibt es gute Argumente. Vor allem steht das Recht, über den eigenen Körper zu entscheiden, gegen das Recht auf Leben und Gesundheit. Eigentlich wollen ja beide Seiten körperliche Unversehrtheit. Die einen wollen sich nicht impfen lassen, die anderen nicht anstecken. Wenn aber das zentrale Argument der Gegenseite auch auf der Für-Seite zieht, dann hat die nen Vorteil.

Warum es demnächst doch so eine Art Impfpflicht geben könnte

Es soll hier nun erklärt werden, warum wahrscheinlich der Staat gar keine Impfpflicht verhängen muss, weil es sie demnächst zwar nicht komplett, aber im Prinzip schon geben dürfte, nämlich durch diejenigen, die der Staat nicht beeinflussen kann

  1. Flugkonzerne kündigen schon an, dass es für einen Flug entweder einen Impfnachweis oder einen aktuellen negativen Corona-Test braucht. Da ist es doch am leichtesten, einfach geimpft zu sein. Und Stand heute ist auch nicht klar ob nicht andere das auch machen werden. Dann ist aber ohne Impfung die Reisefreiheit deutlich eingeschränkt.
  2. Auch wenn der Staat keine Impfpflicht verhängt, hat er klar gesagt, dass Private das machen können. Und so kann es eben doch zu einer Art Impfpflicht kommen.
  3. Großveranstaltungen, Konzerte und Parties gehen in Zukunft eigentlich nur, wenn man weiß, dass die Leute kein Corona haben oder nicht ansteckend sind. Das lässt sich entweder per Impfung oder mit einem Corona-Test nachweisen. So viele Tests kann man kaum so schnell durchführen, so dass das Leben ohne Impfung deutlich langweiliger werden wird.
  4. Andere Staaten können selber entscheiden, ob sie einen ohne Impfung reinlassen Schon am Beispiel der in Dover über Weihnachten 2020 gestrandeten Trucks haben wir sehen können, dass ein Nachweis eines negativen Tests nötig ist, um einzureisen. Deutschland kann sehr wohl innerhalb des Landes etwas ausschließen, aber anderen Ländern nichts vorschreiben.
  5. Auch verschiedenste private Anbieter wie Läden, Gaststätten, aber auch Vereine und andere nichtstaatliche Organisationen könnten (und werden wohl) dazu übergehen, dass sie entweder die Einhaltung der Hygieneregeln oder den Nachweis einer Impfung verlangen. Vor allem dann, wenn man weiß, dass eine Impfung auch gegen Ansteckung schützt. So richtig viel kann man dann aber irgendwann wohl ohne Impfung nicht mehr machen.

Zusammenfassung

Es gibt etwas mehr Argumente für eine Impfpflicht als dagegen, aber wahrscheinlich wird der Staat sie nicht verordnen, sondern sie wird durch die Hintertür und nicht vollständig kommen. Denn ohne Impfung wird das Leben wohl deutlich eintöniger, die Welt steht einem nicht mehr offen und man kommt in die Sachen, die Spaß machen, nicht mehr rein. Das ist zwar scheiße, aber dennoch okay, denn dagegen stehen Menschenleben und die Gesundheit anderer. Und die wiegt nunmal höher, da es ohne Leben und Gesundheit gar keine Freiheit gibt.